Café Feurstein & Stone Club
Feldkirch, Österreich - Fritz Ahammer Architekt & Klaus Feurstein
Im Erdgeschoss eines historischen Stadthauses aus dem 17. Jahrhundert, das sich seit 1850 im Besitz der Stadt Feldkirch befindet und einst als Sitz der Handelskammer diente, richtete Arthur Feurstein im Jahr 1937 hinter den Laubengängen eine Konditorei ein. 1949 beauftragte er seinen Freund, den Saarbrücker Architekten Fritz Ahammer, mit der Erweiterung des Cafés und fügte zwei Gasträume hinzu, deren Ausstattung bis heute von der Designkultur der Nachkriegszeit zeugt. Der architektonische Reichtum, der sich an der Fassade und innerhalb der Arkadengänge mit ihren rundbogigen Fenstern und freigelegten Steinwänden zeigt, setzt sich nahtlos in den Innenräumen des Café Feurstein fort. Den familiären Fußstapfen folgend übernahm sein Sohn Klaus Feurstein den Betrieb in den 1970er Jahren.
Gewölbte Decken und Terrazzoböden aus fünf Marmorsorten empfangen die Besucher in einem Raum, in dem einst Kuchen und Konfekt über die Theke gereicht wurden. Der aufwendig gestaltete Tresen sowie die Ausführung dieser Bar stammen aus den 1980er Jahren.
Nach rechts führend setzt sich die räumliche Abfolge weiter in die Vergangenheit fort. Zwei Kaffeehausräume, jeweils hinter einem Arkadenbogen gelegen und durch eine sorgfältig komponierte Raumflucht miteinander verbunden, eröffnen einen Blick in die Mitte des 20. Jahrhunderts und evozieren eine Kaffeehauskultur, wie man sie gemeinhin mit den berühmten Wiener Cafés der Gründerzeit und des Jugendstils verbindet.
Bemerkenswert bleiben bis heute sowohl die hohe Qualität als auch der beträchtliche Aufwand des ursprünglichen Ausbaus sowie die intelligente Nutzung des Raumes. Auf einer Gesamtfläche von lediglich 42 Quadratmetern finden bis zu 40 Gäste Platz. Sitzgelegenheiten für zwei oder mehr Personen sind individuell an Wände angepasst, in Ecken eingefügt und unter Bögen positioniert. Charakteristische Zweierensembles stehen neben quadratischen, rechteckigen und runden Tischen und werden durch Bänke unterschiedlicher Größe und Form ergänzt. Niedrige Holztrennwände, bekrönt von schmiedeeisernen Gittern mit kalligrafisch anmutenden Ornamenten, gliedern die wandfest eingebauten Sitzgruppen mit roter Lederpolsterung.
Jedes Detail dieser Räume wurde mit gleicher Präzision in gestalterischer wie handwerklicher Hinsicht ausgeführt. Zwei holzgefasste, verspiegelte Garderoben befinden sich in den Durchgängen, während kleine, in die Wände eingelassene Vitrinen historische Objekte und Konfektschachteln aus früheren Jahrzehnten präsentieren. Die Beleuchtung, bestehend aus zwei mehrflammigen Lustern sowie sämtlichen Wandlampen, wurde eigens auf das gestalterische Gesamtkonzept abgestimmt angefertigt. Wie die Raumteiler greifen sie schmiedeeiserne Elemente auf, und auch das an eine Linzertorte erinnernde Rautenmuster findet sich in ihrer Gestaltung wieder. Wer ein greifbares Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Nachkriegszeit erleben möchte, dem sei ein Besuch im ältesten Kaffeehaus Vorarlbergs ans Herz gelegt.
Neben dem gemeinsamen Betrieb des Cafés mit seiner Partnerin und Seelenverwandten Maria Bawart gründete Klaus Feurstein im Jahr 1978 den legendären Stone Club. In einem kleinen, aber außergewöhnlichen Raum gelegen, direkt über einen Gewölbegang vom Café aus zugänglich und mit traditionellen englischen Pubmöbeln aus England sowie einem raumfüllenden Wandgemälde des Künstlers Paul Renner gestaltet, wurde der Stone Club von manchen als die einzigen Quadratmeter Großstadtlebens in Vorarlberg beschrieben. Dieser Ort brachte über Jahrzehnte hindurch Nacht für Nacht junge und ältere Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammen und bot ihnen einen Raum, um bis in die frühen Morgenstunden den Tugenden und Zwängen Vorarlbergs zu entfliehen.
Ermutigt in den späten 1980er-Jahren durch den in Wien ansässigen Andreas Haupt begann Klaus Feurstein, als DJ aufzutreten und elektronische Musik, Jazz und weitere Genres zu sammeln. Der Stone Club hat Generationen von DJs geprägt, von denen einige später international tätig wurden. Paradox erschien dabei die informelle Städtepartnerschaft zwischen dem im wohlhabenden Vorarlberg gelegenen Feldkirch und der bankrotten Metropole Detroit. Viele Feldkircher verehren nach wie vor die Musik aus Detroit, insbesondere den Techno, was immer wieder zu wechselseitigen Besuchen von DJs und Musikinteressierten führte.











