(ORF) Funkhaus – Teil 1

Wien, Österreich – Heinrich Schmid, Hermann Aichinger, Clemens Holzmeister & Gustav Peichl Architekten

Das in der Argentinierstraße gelegene Gebäude wurde zwischen 1935 und 1939 nach Entwürfen der Architekten Heinrich Schmid und Hermann Aichinger unter Mitarbeit von Clemens Holzmeister errichtet. Der Bau erfolgte im Auftrag der RAVAG (der staatlichen Vorgängerorganisation des ORF) und integrierte Teile der bereits vorhandenen älteren Bausubstanz.

Anfang 1945 wurde das Gebäude bei Luftangriffen getroffen und im hinteren Bereich schwer beschädigt, was einen sofortigen Wiederaufnahme des Sendebetriebs nach dem Krieg verhinderte, obwohl die Wiederaufbauarbeiten umgehend begannen. Obwohl sich das Funkhaus in der sowjetischen Besatzungszone befand, wurde es nicht als offizielle Besatzungsstation genutzt. Zunächst wurde ein provisorischer 30-Watt-Sendemast auf dem Dach errichtet; bis Anfang 1946 wurde dessen Leistung auf 10 kW erhöht, und es wurde auf Mittel- und Kurzwelle gesendet.

Ein markantes Merkmal der Architektur ist der Verzicht auf rechtwinklige Grundrisse in den Tonstudios und den beiden Sendesälen. Stattdessen wurden ungleichseitige Vierecke gewählt, um die Raumakustik gezielt zu optimieren.

Der mehrstöckige Komplex, in dessen rückwärtigem Trakt die Tonstudios untergebracht waren, grenzt an den Park des Theresianums. Zwischen 1979 und 1983 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Gustav Peichl um einen Erweiterungsbau ergänzt. Im Juni 1988 erreichte die Anlage einen technologischen Meilenstein mit der Inbetriebnahme des weltweit dritten volldigitalisierten Regieplatzes, nach der BBC und des WDR. 1999 wurde dem Funkhaus aufgrund seiner architektonischen Vorzüge der Denkmalschutzstatus verliehen.

Im Oktober 2015 wurde das Funkhaus im Zuge von Konsolidierungsmaßnahmen des ORF schließlich zum Verkauf ausgeschrieben. Die Entscheidung zur Aufgabe dieses zentralen und geschichtsträchtigen Standorts sowie die Verlegung des Betriebes in das peripher gelegene ORF-Zentrum am Küniglberg stießen, insbesondere in der Kulturgemeinschaft, auf erheblichen Widerstand. Der Verkauf wurde im Juni 2016 abgeschlossen und die Liegenschaft von der Rhomberg Gruppe erworben. Die historischen Tonstudios wurden vom Verkauf ausgenommen und stehen dem Sender weiterhin zur Verfügung. Zudem fungiert das Gebäude als ständiger Sitz des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien.

Im Jahr 2024 wurde ein Teil der Räumlichkeiten für die Zwischennutzung geöffnet, mit der Mission, ihren historischen Charakter zu bewahren, während sie gleichzeitig für zeitgemäßes kreatives Arbeiten adaptiert werden. Der Standort fungiert als umfassender kultureller Hub – der Künstler, Veranstaltungen, Gastronomie und Programmangebote beherbergt – vereint durch die Unterstützung der Wiener Kunstszene. Beginnend im Jahr 2026 werden BWM Architekten, im Auftrag von Rhomberg Bau, mit der Neugestaltung des ehemaligen Funkhauses beginnen. Die Trakte A und B werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wodurch der Standort in einen lebendigen, kreativen Hub nach dem Konzept eines „gestapelten Grätzls“ transformiert wird, während Trakt E Wohnzwecken gewidmet sein wird. Der Fokus liegt auf der Erhaltung oder, wo nötig, der Wiederherstellung des ursprünglichen Charakters des Gebäudes in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt.